Geschichte der Reinigung
Man ist sich heute einig, daß die Geburtsstunde
der Textilreinigung mit Lösungsmitteln Anfang des 19. Jahrhunderts
anzusiedeln ist.
Schon lange war es vor allem ein Privileg der
Reichen, saubere Kleidung zu tragen. Aber gerade die hochwertigen Woll-
und Seidenstoffe ließen sich nicht so einfach waschen wie Baumwoll-
oder Leinenstoffe. Deshalb beschränkte man sich entweder auf die Fleckentfernung,
oder das Teil wurde neu eingefärbt.
Einer dieser gutangesehenen Färber war der
Franzose Jolly Belin, und seinem ungeschickten Lehrling ist es wohl zu
verdanken, daß damals in Paris die Entwicklung der Textilreinigung
in Gang gekommen ist. Es war um das Jahr 1825, als der Lehrjunge ungeschickterweise
eine Terpentinöllampe umstieß und sich das Terpentinöl
auf einen Uniformrock ergoß. Das gute Stück! Meister Belin versuchte
die Uniform zu retten, indem er das Terpentin abtupfte und die Jacke zum
trocknen aufhing.
Als das Öl am nächsten Tag verflogen
war, machte Belin eine erstaunliche Entdeckung: der Stoff war an den Stellen,
die am Vortag noch vom Terpentin durchtränkt waren, wesentlich sauberer
als an den anderen Stellen. Da kam Meister Belin die entscheidende Idee:
wenn schon einige Stellen mit Terpentinöl sauber werden, warum dann
nicht das ganze Stück in Terpentinöl stecken? Gesagt, getan.
Das Ergebnis war für damalige Verhältnisse verblüffend -
das Textil war sauber, und dabei war der Stoff noch genauso glatt wie vorher.
So oder so ähnlich entstand die Textilreinigung
mit Lösungsmitteln. Das Terpentinöl hatte allerdings den großen
Nachteil, das es sehr übel roch. Deshalb wechselte man später
erst zum Benzol, danach zum Schwerbenzin über. Damit war zwar das
Geruchsproblem gelöst, ein weiterer Nachteil jedoch blieb - die Explosionsgefahr.
Man verfügte zwar bereits über gut funktionierende "Benzinwaschmaschinen",
aber man kann sich vorstellen, daß sich in den Anfängen so manche
Reinigung lautstark verabschiedet hat. Immerhin hatte man auf diese Weise
mittlerweile die Möglichkeit, auch nichtwaschbare Textilien zu reinigen.
Ein entscheidender Schritt für die Textilreinigung
folgte mit der Einführung der unbrennbaren Lösungsmittel zu Beginn
unseres Jahrhunderts, zuerst "Trichlorethen" und "Tetrachlorkohlenstoff",
später das "Perchlorethylen (Per)", mit dem auch heute noch überwiegend
gereinigt wird.
Gleichzeitig wurden auch die Maschinen immer raffinierter
auf die Lösungsmittel abgestimmt. Das Schleudern und anschließende
Trocknen an der Luft entfiel und wurde in die Maschine verlagert, so daß
auch ein großer Teil des Lösungsmittels wieder zurückgewonnen
werden konnte.
In den fünfziger Jahren kam FCKW als revolutionäres
Lösungsmittel auf den Markt. Es war sehr schonend zum Textil und konnte
schon bei sehr niedrigen Temperaturen getrocknet und zurückgewonnen
werden. Nach der Entdeckung der Schädigung der Ozon-Schicht durch
FCKW wurde dieses allerdings Anfang der 90er Jahre verboten.
Auf der Suche nach Ersatz ging man wieder zurück
in Richtung Benzin. Das sogenannte "KWL" war ähnlich schonend gegenüber
Textilien und Färbungen wie FCKW, und die Explosionsgefahr hat man
aufgrund modernster Maschinentechnologie heute auch im Griff.
Das verbreitetste Lösemittel ist heute immer
noch das "Per". Seine Reinigungswirkung ist sehr gut. Die heutigen Maschinen
besitzen Meßcomputer, so daß sich die Maschinen erst öffnen
lassen, wenn das Lösungsmittel nahezu restlos aus der Ware entfernt
ist. Weitere große umwelttechnische Auflagen, wie z.B. Computerüberwachung
der Raumluft, lüftungstechnische Anlagen usw., sorgen heute dafür,
daß weder Mitarbeiter in Reinigungen noch Kunden mit Lösungsmittel
in Kontakt kommen. |